Abbas Kiarostami

Drei Filme von Abbas Kiarostami

Iran 1987 bis 94

„Wo ist das Haus meines Freundes?“ ist der erste Film einer Trilogie des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami, durch den der Regisseur auch international bekannt wurde. Kiarostami wurde 1940 in Theran geboren und starb im Juli 2016 im Alter von 76 Jahren.Seine Filme wurden meist ohne konkretes Drehbuch und mit Laiendarstellern, häufig mit Kindern gedreht. Wichtig ist sein Werk, weil er die soziale Stellung des Kinos und des Regisseurs sowie die realen Beziehungen zwischen Film(kamera) und Objekt zum Thema seiner Filme machte. Diese scheinen bemüht, ihre Künstlichkeit und Konstruiertheit sichtbar zu machen. Die Grenzen der Möglichkeiten des Kinos werden ausgelotet und oft schließlich doch in einem transzendentalen Akt scheinbar überschritten.Die drei Werke von ihm: Wo ist das Haus meines Freundes?, Und das Leben geht weiter und Quer durch den Olivenhain, die als Trilogie bekannt sind, zeigen musterhaft die Entwicklung seines Kinos.Diese drei Filme sind zurzeit bei Arte zu sehen:

Wo ist das Haus meines Freundes, Iran 1987 Nächste Ausstrahlung am Freitag, 14. August um 01:45

In einer iranischen Dorfschulklasse wird der Schüler Mohammad von seinem Lehrer gerügt, weil er zum dritten Mal seine Hausaufgaben nicht in sein Heft geschrieben hat. Der Lehrer droht, ihn von der Schule zu verweisen, falls so etwas noch einmal vorkomme. Ahmad, der Banknachbar von Mohammad, bemerkt zu Hause, dass er aus Versehen dessen Heft eingesteckt hat. Für ihn steht fest: Er muss seinem Kameraden um jeden Preis das Heft bringen, damit der seine Hausaufgaben machen kann und nicht von der Schule fliegt. Ahmad weiß jedoch nicht einmal, wo Mohammad wohnt. Trotz des Verbots seiner Mutter macht er sich auf den langen Weg in das nächste Dorf. Die Suche wird zu einer wahren Odyssee, da niemand dem kleinen Jungen richtig Auskunft gibt. Bei Einbruch der Dunkelheit kehrt Ahmad schließlich erschöpft, niedergeschlagen und die schlimmsten Bestrafungen fürchtend nach Hause zurück. In der Nacht macht er nicht nur seine Hausaufgaben, sondern schreibt auch in das Heft seines Freundes ...

Und das Leben geht weiter, Iran, 1990

Im Juni 1990 zerstört ein Erdbeben den Norden des Iran. Kurze Zeit danach begibt sich ein Filmregisseur mit seinem Sohn in die Gegend. Er ist auf der Suche nach den jungen Darstellern seines dort gedrehten ersten Films. Auf der langen Fahrt lernen sich Vater und Sohn besser kennen. Die Reise wird zu einer Begegnung mit Ruinen, Leiden, Verzweiflung und Resignation, aber auch mit einer unglaublichen Kraft der Menschen dort, für die das Wichtigste ist, dass das Leben weitergeht...

www.arte.tv/de/videos/007482-000-A/und-das-leben-geht-weiter/

Quer durch den Olivenhain, Iran 1994

Ein junger Arbeiter auf dem Land bekommt die Möglichkeit, in einer kleinen Rolle an einem Spielfilm mitzuwirken. Als sich der männliche Hauptdarsteller als ungeeignet erweist, bekommt der Arbeiter seine große Chance. Besonders aufregend ist seine neue Rolle für ihn dadurch, dass die im Film Angebetete auch im wahren Leben von ihm unsterblich geliebt wird...

www.arte.tv/de/videos/017296-000-A/quer-durch-den-olivenhain/

Warum sollte man sich die Filme zur Corona-Zeit anschauen?

Das Werk Kiarostamis ist in einer engen Beziehung zur iranischen bzw. persischen Lyrik zu erschließen. Die persische Literatur hat sich hauptsächlich durch die Lyrik tradiert und funktionierte im Laufe der Geschichte als Träger der nationalen Identität der Iraner. Lyrik war die einzige mögliche Kunst nach der Islamisierung des Landes Kiarostami nimmt diese Tradition auf, um seine eigene Poesie zu erzählen. Die Poesie des modernen Kinos. Besonders in dem Film „Und das Leben geht weiter“ zeigt er die Möglichkeit der Menschen auf, schwierigste Krisen und Bedrohungen zu überstehen.

Termine

  • Datum: siehe im Fließtext

    Uhrzeit: jederzeit

    Kosten: kostenlos

    Ort:
    in der Arte Mediathek

    Leitung:

    Information:
    Evangelische Erwachsenenbildung Mainz, Tel. 06131 9600421